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Donnerstag, 13. August 2020 - 04:14 Uhr

Die Stadt hatte Besuch aus Polen

20 Jahre Städtepartnerschaft

Vertreter-Polen_cropped.jpgDie Stadt Wilster und ich als Vorsitzender des „Verein zur Förderung der Partnerschaft zwischen den Städten Wilster und Nowy Staw e.V.“ hatten unserer Partnerstadt Nowy Staw im Frühjahr einen Brief geschrieben und den Wunsch geäußert, das 20-jährige Jubiläum in Wilster zu feiern. Im Juli kam die Antwort. Man kündigte an, vom 19. bis zum 21. September 2019 mit 49 Personen inklusive Busfahrer und Blasorchester nach Wilster zu kommen.

Bevor die Gruppe in Wilster eintraf, gab es einige Absagen von Mitgliedern der Kapelle und vom Vorsitzenden des Stadtrats, der kurzfristig ins Krankenhaus gekommen war. Die Fahrt hatte die Verwaltungsleiterin Anna Majewska organisiert. Delegationsleiter war der stellvertretende Vorsitzende der Stadtvertretung Marek Szczecinski, welcher sich als Fußballtrainer sehr für die Fußballaktivitäten in Wilster interessierte. Ebenfalls dabei waren Dr. Zygmunt Tomczonek und Waldemar Konopka, die vor 20 Jahren als Vorsitzender der Stadtvertretung und als Bürgermeister die Partnerschaftsurkunden unterschrieben hatten. Gustav.JPG_cropped.jpg
Während der hauptamtliche Bürgermeister nicht kommen konnte, waren fast alle wichtigen Personen aus Nowy Staw angereist. 11 Mitglieder der Stadtvertretung, die Schulleiter, der Direktor des Kulturzentrums (zugleich stellv. Kreispräsident), Polizeichef, Stadtkämmerin, Pressesprecherin, mehrere Lehrerinnen, der Direktor des Sportzentrums, ehemalige Bürgermeister, Orchesterleiter Andrzej Palka und die Deutschlehrerin Gosia Sawicka als Dolmetscherin.
Am Donnerstagabend wurden die Polen in der Gaststätte „Neue Börse“ von U. Seddig als amtierende Bürgermeisterin begrüßt. Nach einem Willkommensumtrunk wurden die Gäste ins Hotel Busch und in die Privatquartiere gebracht.
Am nächsten Tag war zunächst eine Stadtbegehung angesagt. Es ging ins Neue und ins Alte Rathaus. Im Alten Rathaus hielten sich die Gäste die längste Zeit in den Neuteicher Stuben im Dachgeschoss auf. Viele erkannten auf den alten Neuteichfotos ihr jetziges Wohnhaus wieder. Nach der Besichtigung der Kirche spazierte man an der Grundschule vorbei zur Gemeinschaftsschule. Die Schulleiterin Kirsten Körting stellte in der Mensa die Schule vor und zeigte danach einige Klassenräume, eine Küche und einen neuen Chemieraum. Weiterhin besichtigten die Gäste die Sporthalle und das Wilstermarschstadion.
Abends fand dann die Jubiläumsfeier im Bauernstübchen (Hotel Busch) statt. Bürgermeister Walter Schulz hatte zugleich im Namen des Fördervereins die Vertreter aller Vereine und alle Stadtvertreter eingeladen. 
Es waren viele gekommen. Die Feierstunde begann mit einem Konzert des Blasorchesters aus Nowy Staw. Gustav Hintz spielte mit und saß mit seinem Saxofon mittendrin. Uschi Seddig, die sich intensiv auf diesen Besuch und die besonderen Gäste vorbereitet hatte, nahm als amtierende Bürgermeisterin die Begrüßung vor. Neben Amtsvorsteher Delf Sievers und Amtschef Heiko Wiese hob sie von den polnischen Gästen besonders die Unterzeichner Dr. Zygmunt Tomczonek und Waldemar Konopka hervor. Die Städtepartnerschaft bezeichnete sie als beste Möglichkeit für ein Zusammenwachsen von Europa. Sie überreichte auch einige Geschenke. Für die polnische Delegation sprach Marek Szczezinski. Er bedankte sich für die Einladung und freute sich, dass die Partnerschaft bereits 20 Jahre Bestand hat. Es gibt zwischen den Bewohnern beider Städte inzwischen viele Kontakte und Freundschaften. Gemeinsam mit der Leiterin der VerwaltungHolzhandlung.JPG.jpg Anna Majewska überreichte er zahlreiche Geschenke. Es war ein großes Bild dabei mit schönen Fotografien der Stadt. Der stellvertretende Leiter der Kreisberufsschule in Marienburg, Roman Klofczynski, stellte kurz die Masterarbeit im Fach Deutsch als Fremdsprache seiner Tochter vor. Sie hatte sich mit dem früheren Neuteich befasst und viel mit ehemaligen Neuteichern gesprochen. Deren Erinnerungen hat sie aufgeschrieben und ihre Arbeit „Die Reise in die verlorene kleine Heimat“ genannt. Ein Exemplar dieser Arbeit bekam ich geschenkt.
In ihrem Grußwort hob die Leiterin der Gemeinschaftsschule Kirsten Körting die seit 2005 bestehende Schülerbegegnung hervor. Sie befürchtete, dass durch anstehende Schulgesetzänderungen in Polen die Schülerbegegnungen in bisheriger Form gefährdet sind. Jedes Jahr gibt es ein fünftägiges Treffen abwechselnd in Deutschland und in Polen. Abschließend gab ich als Vorsitzender des Fördervereins einen Rückblick über die 20jährige Partnerschaft. In Nowy Staw herrscht die irrtümliche Annahme, dass nach dem Krieg sehr viele aus Neuteich nach Wilster geflüchtet sind. Das ist nicht richtig. Es war lediglich der Postmeister Horst Janzen, den es nach Wilster verschlug. Er hat frühzeitig auf Parallelitäten der beiden Städte hingewiesen. Auf einer Kundgebung U.-Seddig_cropped.jpghat er gesagt: “Holländer und Niederdeutsche, die einst die Wilstermarsch entwässerten, haben auch das Weichseldelta, in dem Neuteich liegt, dem Wasser abgerungen und sind dort sesshaft geworden.“ Die Neuteicher Heimatvertriebenen, die im ganzen Bundesgebiet neue Wurzeln geschlagen hatten, hatten auf sein Betreiben Wilster für einen Treffpunkt auserkoren. Über den Geschäftsführer des Neuteicher Heimatbundes gab es Anfang der 90erJahre Kontakte zur Verwaltungsspitze von Nowy Staw. 1997 fuhr eine Delegation aus Wilster mit Vertretern der Vereine nach Nowy Staw. 1998 gab es einen Gegenbesuch. Die polnische Delegation brachte bereits Partnerschaftsverträge mit, um die Städtepartnerschaft zu besiegeln. Die städtischen Gremien mussten sich aber erst mit dem Thema befassen. Am 6.7. 1998 machte die Stadt dann mit einem einstimmigen Beschluss den Weg für die Städtepartnerschaft frei. Am 25.6. 1999 wurden die Partnerschaftsurkunden von den Vertretern beider Städte unterschrieben. Die Städtepartnerschaft sollte einen Beitrag zur Überwindung der Grenzen in Europa und zur Entwicklung des gegenseitigen Verständnisses zwischen Polen und Deutschen leisten. Da zu befürchten war, dass die Partnerschaft aus finanziellen Gründen in Dauerschlaf versinken könnte, wurde von mir und anderen im Februar 1999 ein Förderverein gegründet, der sich zur Aufgabe gemacht hat, DSC09914_wynik_cropped.jpgden Stadtsäckel zu entlasten. Diesen Verein gibt es ebenfalls seit über 20 Jahren. Ich bin seit Beginn der Vorsitzender. Seit 20 Jahren im Amt sind Renate Hilgers als Kassiererin, Eike Starck als Schriftführer und Marja Schulz als Beisitzerin. Sehr aktiv war immer Horst Michelchen, der leider erkrankt ist und sich im Heim befindet. Gustav Hintz war zunächst Beisitzer im Verein und ist seit 15 Jahren stellv. Vorsitzender. Er ist für uns ein Glücksfall, weil er ständig als Dolmetscher eingesetzt ist und auch viele musikalische Veranstaltungen organisiert hat. Es gab in den letzten 20 Jahren mehr als 30 Besuche und Gegenbesuche, aber die Wilsteraner waren öfter in Nowy Staw. Das liegt auch an den unterschiedlichen Lebensverhältnissen. Wenn wir nach Polen fahren, dann ist für uns dort alles viel billiger. Für die Einwohner aus Nowy Staw ist hier alles sehr teuer. Damit die Begegnungen nicht an Kosten scheitern, trägt unser Verein dafür Sorge, dass für Besucher aus Nowy Staw bei uns kaum Kosten entstehen.
Die gehaltenen Reden dauerten natürlich alle doppelt so lange, weil jedes gesprochene Wort von Gustav Hintz und Gosia Sawicki übersetzt werden musste.
DSC09829_wynik_cropped.jpgNach einem reichhaltigen Schnitzelbüfett gab es ein gemütliches Beisammensein. Es wurde viel auf Polnisch und Deutsch gesungen. G. Hintz sorgte mehrere Stunden für Tanzmusik.  Die Wirtsleute mussten neben Bier auch reichlich Wodka kredenzen.  Alle Beteiligten waren sich einig, dass es eine sehr fröhliche Geburtstagsfeier war.
Am Sonnabend hatten die Gäste Gelegenheit, die Stadt zu erkunden. Außerdem hatte der Förderverein zu einem Eisessen im Rialto eingeladen. Am frühen Nachmittag zeigten Ralf Theede und Jan Auhage das Feuerwehrgerätehaus, Fahrzeuge und die Drehleiter. Sie war der Höhepunkt. Es trauten sich aber überwiegend nur die weiblichen Gäste, mit der Drehleiter in den Himmel zu steigen.
Die Begegnung endete mit einem Blaskonzert auf dem Gelände der Holzhandlung Langfeldt. Matthias Häussler hatte mit einigen Helfern in einer Halle Tische und Bänke aufgestellt. Der Hauptmann der Bürgergilde Hans-Otto Wulf hatte für Baumschmuck in und vor der Halle gesorgt. Im Bierwagen wurde für alle kostenlos Sägerpils ausgeschenkt. Es gab natürlich auch reichlich alkoholfreie Getränke. Viele Wilsteraner waren dabei, um mit den Polen zu feiern. Zum Abschluss gab es für jedermann Suppe. Neben Gulaschsuppe gab es auch ErbsKnopka-u.T_cropped.jpgensuppe, die Familie Schmidtke von der Gaststätte „Zum Landhaus“ gespendet hatte. Mitglieder des Fördervereins halfen fleißig bei der Bewirtung.
Der Dank der Stadt und des Fördervereins gilt Matthias Häussler für die Bereitstellung der Holzhalle, den Wilsteranern Gisela Holm, Marja und Heinz Schulz, Thomas und Gitta Suhl, Holger Stamm und Barbara Ackermann, Reinhard und Antje Bunge, Helga und Otto Andresen, Maren und Gustav Hintz und Frauke Schober, die Schlafgelegenheiten zur Verfügung gestellt hatten. Nach 19.00 Uhr fuhren die Polen wieder nach Hause.
Helmut Jacobs