|
Kürzlich führte der „Verein zur Förderung der Partnerschaft zwischen den Städten Wilster und Nowy Staw“ eine Reise nach Polen durch. Hauptziel war natürlich die Wilsteraner Partnerstadt
Nowy Staw. Die Fahrt fand unter der Leitung vom Vorsitzenden Helmut Jacobs und dem stellv. Vorsitzenden Gustav Hintz statt. Gustav Hintz und Teresa Haack übernahmen das Dolmetschen. Zu den 14 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern gehörten u.a. Ratsherr Holger Stamm, der frühere leitende Verwaltungsbeamte Hans-Werner Speerforck, der Feuerwehrmann Reinhard Bunge und Gildeschreiber Gerd Martens. Die frühere Neuteicherin Ingrid
Milkorb wollte sich über ihren Geburtsort informieren. Man fuhr mit einem Kleinbus der Fa. Quandt und wohnte in einem Hotel in Marienburg, weil es in Nowy Staw nur wenige Unterbringungsmöglichkeiten gibt.
Im neuen Gemeinschafts- und Kulturhaus werden zurzeit mehrere Gästezimmer eingerichtet, so dass bei späteren Besuchen der Stadt dort auch übernachtet werden kann.
Am Morgen nach der Anreise wurden die Wilsteraner im Gemeinschaftshaus herzlich empfangen und von Bürgermeister Jerzy Szalach und Bürgervorsteher Waldemar Kalinowski begrüßt. In Anwesenheit
des gesamten Stadtrates, einiger Vertreter von Vereinen, der Schulen und der Feuerwehr, des Pfarrers und vieler Schulkinder gab es ein umfangreiches Begrüßungsprogramm. Kinder aus dem Kindergarten und der
Grundschule boten Tanzvorführungen und sangen Lieder. Schüler aus dem Gymnasium trugen Gedichte in deutscher Sprache vor. Es wurden Gedichte von
Goethe, Schiller und Heine zitiert. Außerdem überraschten die Gastgeber mit einer Bilderschau aus vielen Begegnungen in Nowy Staw und Wilster. Die Wilsteraner waren gerührt und beeindruckt.
Helmut Jacobs überbrachte als stellv. Bürgermeister die Grüße der Stadt Wilster. Als besonderes Gastgeschenk überreichte er Wilsters Fahne.
Dem Empfang mit den zahlreichen Darbietungen schloss sich eine Stadtführung an. In der Stadt gibt es zahlreiche Bautätigkeiten und es hat sich dort viel getan. Die Fahne aus Wilster hing
schon am Marktplatz. In der evangelischen Kirche, das Wahrzeichen der Stadt, wimmelte es von Bauarbeitern. Die Kirche, die mit Mitteln des Vereins vor dem Verfall gerettet worden war, wird neu restauriert. Rund eine
Million Euro werden zurzeit in der Marktplatzgestaltung und in der Kirche verbaut. Die Wilsteraner konnten sich davon überzeugen, dass die alte Kirche sehr aufwändig renoviert wird. Fußböden aus Glas sollen es
möglich machen, in alte neu entdeckte Grabkammern zu schauen. Als Kirche wird das Gebäude nicht mehr benötigt. Es soll in ein Kulturhaus und Museum umgewandelt werden.
Reinhard Bunge war am Nachmittag nicht zu sehen. Einige Feuerwehrkameraden hatten ihn ins neue Feuerwehrgerätehaus eingeladen und mit ihm Fachthemen erörtert. Sie versprachen, in nächster
Zeit mit einem Feuerwehrfahrzeug nach Wilster zu kommen.
Höhepunkt des Tages war für alle Teilnehmer zweifellos der Grillabend auf einem Bauernhof. Die Stadtvertreter hatten unter der Leitung der Kulturhausleiterin ein zünftiges Grillen
organisiert. Nach dem gemeinsamen Verzehr von polnischen Grillspezialitäten wurden bei Bier und Wodka am Lagerfeuer
Lieder gesungen. Die Polen und Deutschen versuchten sich mit ihren Liedbeiträgen gegenseitig zu übertrumpfen. Bei diesem Singen zeigte sich, dass die unterschiedliche Sprache kein Hemmnis ist, um zusammen Spaß und Freude zu haben. Alle waren sich einig, dass der tolle Abend ein Beweis dafür ist, dass Polen und Deutsche immer mehr zusammenwachsen.
Am Tag vor der Abreise hatten die Polen für die Gäste ein kleines Stadtfest organisiert. Man hatte auf einer Freifläche vor dem Kulturhaus eine Bühne aufgebaut. Die Tanzgruppe
„Geysire“ begeisterte mit mehreren Tanzdarbietungen. Das Blasorchester gab ein Konzert und es traten mehrere kleine Kapellen auf. Gustav Hintz, der mit dem Übersetzen eigentlich viel zu tun hatte, ließ es
sich nicht nehmen, mit seinem Saxophon einen musikalischen Beitrag zu liefern. Zum Bier, Kaffee oder anderen Getränken gab es Fleisch vom Grill, Suppen, Bigos (eine polnische Spezialität) oder Kuchen.
Da es ein windiger und kalter Nachmittag war, waren neben den Mitgliedern des Rates und der Verwaltung nur wenige Bewohnerinnen und Bewohner aus Nowy Staw erschienen.
Zum Reiseprogramm gehörten auch Ausflüge in die nähere Umgebung. In Marienburg gab es eine ausführliche Besichtigung des Schlosses des Deutschen Ritterordens. Sie war Sitz des Ordens, aber
auch mehrere Jahrhunderte Residenz polnischer Könige. Im Krieg war die Burg völlig zerstört worden und danach
über mehrere Jahrzehnte neu aufgebaut worden. Seit 1997 gehört sie zum Weltkulturerbe. Weiterhin wurde die im Krieg völlig zerstörte Stadt Danzig besucht. Die Stadt ist hervorragend neu aufgebaut und bietet viele Sehenswürdigkeiten. Man fuhr auch nach Zoppot, um die gigantische Seebrücke anzuschauen.
Die Wilsteraner Gruppe war auch auf Einladung von Mitgliedern eines Vereins für Wasserbau in der Kreisstadt Tiegenhof. Die Wasserbauexperten
hatten im vorigen Jahr Wilster besucht und sich insbesondere für Wasserbaumaßnahmen in der Wilstermarsch interessiert. Es gab ein umfangreiches Programm. Man besuchte ein Vorlaubenhaus, eine griechisch-katholische Kirche, einen Geschichtspark und das Museum des Großen Werders. Zum Abendessen gab es Drewnitzer Piroggen und eine Verkostung des Schnapses „Stobbes Machandel“. Die Gastgeber hatten sogar eine Jazz-Band organisiert.
Am letzten Reisetag nahmen die Wilsteraner an einer Gedenkfeier anlässlich der 66. Wiederkehr der Befreiung des Konzentrationslagers in Stutthof teil. Es war eine sehr eindrucksvolle Feier
mit viel Militär und politischer Prominenz aus dem Danziger Raum. Helmut Jacobs und Gustav Hintz legten als einzige deutsche Delegation an der Gedenkstätte einen Kranz nieder.
Es war insgesamt eine Reise, die allen viele gute Eindrücke bescherte.
|