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Die Neuteich-Fahrt 2005

Neuteich – Fahrt Juni 2005

Neuteich als Mittelpunkt einer Reise in die Heimat

Ökumenische Andacht in der ehemaligen Kirche zu Neuteich

Reisebericht von Klaus Dirschauer

1. Vorbemerkung

der Reisebericht möge
- den Teilnehmern und Teilnehmerinnen als Erinnerung dienen
- den nicht Mitgereisten wenigstens durch diese Schilderung in Gedanken (in Wort und Bild) die Heimat heute „erleben“ lassen.
- anderen Landsleuten „Appetit“ machen, eine Reise in die Heimat zu planen.

Der nachfolgende Bericht wird ergänzt durch Reiseberichte von Mitreisenden. Dadurch wird so ein Besuch in der Heimat auch durch andere „Brillen“ gesehen. Diese Berichte folgen anschließend.

2. Einleitung / Reisevorbereitung

Seit Jahren gibt es laufend Anfragen:
„Wann fährt wieder ein Bus nach Neuteich“? Adolf Schütz gab für eine Planung nach Neuteich und die schöne Umgebung wertvolle Hinweise.
Es wurden Reiseziele um Neuteich mit geschichtlichem bzw. heimatkundlichem Bezug ausgewählt.
 

- Ankündigung der geplanten Reise im Neuteich – Brief 12/2004
- Angebote von 2 Busunternehmen aus Wilster und Hannover
- Umfangreicher Schriftverkehr und Telefonate an mehrere Adressen in Neuteich, um die Reise mit Programm vorzubereiten. 
- Anmeldungen waren diesmal leider nur 11 Neuteicher und 12 „Zusteiger“ denen die    Reiseziele zusagten.
- Ausgewähltes Busunternehmen: Firma Busche, Rodewald, ein in Ostreisen bewährtes Unternehmen.
- Reisezeit: vom 2. Juni (Donnerstag) bis zum 13. Juni 2005 (Montag)

- Hotels: Bei der Anreise Hotel & -Restaurant Wodnik in 66-520 Dobiegniew (westlich von Thorn), bei der Rückreise: Hotel Neptun in Stettin und während des Aufenthates das Hotel Gromada in Elbing. Für letzteres hatten wir uns entschieden, weil es günstig nach Ostpreußen, die Ostsee und für Ziele westlich der Weichsel liegt.

Geplanter Reiseverlauf (in Stichworten)

02.06.2005Anreise von Hannover, Hamburg Berlin nach Woldenberg (Dobiegniew) = 60 km vor Deutsch Krone.
03.06.2005 Thorn (Stadbesichtigung), Mewe, Marienburg, Elbing
04.06.2005 Fahrt nach Neuteich (über Marienau), Ökumenischer Gottesdienst in der evangel. Kirche
05.06.2005 Marienburg (Schloßbesichtiung) Anschließend Kaschubei (Zuckau, Folklore)
06.06 2005 Braunsberg, Frauenburg, Cal-dinen (Ostpreußen), Stadtrundfahrt Elbing
07.06.2005 Fahrt über die Rollberge von Elbing bis Buchwalde (5 Höhenstufen)
08.06. 2005 Freilichtmuseum Hohenstein (bei Allenstein), Allenstein, Guttstadt, Schmolainen (Ostpreußen)
09.06.2005 Danzig (Stadtführung), Oliva (Orgelkonzert), Zoppot (Seesteg), Gotenhafen, Halbinsel Hela
10.06.2005 Frauenburg, Schifffahrt über das Frische Haff nach Kahlberg, Steegen
11.06.2005 Neuteich (zweiter Tag)
12.06. 2005 Fahrt nach Stettin, Stadtbesichtigung und Übernachtung im Hotel Neptun
13.06.2005 Heimfahrt über Stolpe, Ham-burg, Hannover.

4. Teilnehmerliste der Landsleute

- Irmgard Thiessen, geb. Thiessen
- Renate Winz, geb. Thiessen (beide  Neuteichsdorf)
- Willy Gerdel, (Parschau)
- Frau Herta Gerdel
- Karl-Heinz Claaßen (Eichwalde)
- Siegfried Claaßen (Eichwalde)
- Hannelore Claaßen
- Claus  Claaßen (Eichwalde)
- Ingried Jacobs, geb Dirschauer
- Klaus Dirschauer (beide Neuteich)

Dazu kamen mit separater Anreise:

- Frau Pastorin Karin Haufler Musiol
- Ernst Haufler
- Irmgard Haufler

5. Reiseverlauf (chronologisch)

2.6.2005 Donnerstag

Abholen der Reiseteilnehmer von den vereinbarten Treffpunkten entlang der Route Hannover / Rodewald, Hamburg / ZOB, BAB 24 Stolpe, Berlin.

Ankunft am frühen Abend in Dobiegniew (Woldenberg) Hotel & Restaurant Wodnik (= Wassermann). ca 50 km vor Deutsch – Krone (Wałcz). Man gelangt vom Hotel direkt in das angrenzende Bad am See zum abendlichen Spaziergang. Unterkunft und Frühstücksbufett entsprechen westlichem Standard.

3.6.2005 Freitag

Weiterfahrt über Schneidemühl (Piła), Graudenz (Bydgoszcz) nach Thorn (Thorun) an der Weichsel. Uns fällt eine rege Bautätigkeit auf: Straßen werden vorbildlich erneuert. Auf großen Strecken werden neue Radwege – zumeist außerhalb der Baumreihen- angelegt, Kreuzungsfreie Kreisverkehre werden errichtet. Ob das schon mit „Geldern aus Brüssel“ finanziert wird?

In Thorn gibt es Zeit zu einer ausgedehnten Besichtigung der Altstadt. Wir gehen durch das historische Brückentor in die Altstadt. Gleich daneben der „Schiefe Turm“ in Nähe des Weichselufers. Thorn gehört zu den schönsten und sehenswertesten Städten von Polen. (Zitat aus einem deutschsprachigen Stadtführer).

Unter dem Deutschen Orden erlebte die Stadt Thorn einen großen Aufschwung. In dieser Blütezeit entstanden viele prachtvolle gotische Bauten. Hier in Thorn wurde im Jahre 1473 der Domherr und Astronom Nikolaus Kopernikus geboren; hier verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Sein Geburtshaus ist heute Museum. Wir sahen viele Kinder (klassenweise) in das Museum hineingehen.
Ein Kopernikusdenkmal steht vor dem altstädtischen Rathaus (14. Jahrhundert).

Wir sehen:

- Die Domkirche des Evangelisten Johannes (von 1260). Vom Turm der Kirche hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und die Weichel mit seinen Brücken. In diesem Turm hängt die zweitgrößte Glocke Polens, die „Tuba Dei“ von 1522.
- Die Marienkirche, Jacobskirche, den Dom, das Kaiserliche Postamt von 1893.
Wir kaufen die „Thorner Kathrinchen“.
Es fällt auf, dass die vielen Schülergruppen sehr diszipliniert sind; kein lautes Schreien, kein Drängeln.

Auf der Weiterfahrt nach Norden erzählt uns die Reiseleiterin und Dolmetscherin Katharina (Katarzyna) einiges über die Schule in Polen. Die Schule beginnt ab dem 7. Lebensjahr mit der Grundschule, die Pflicht ist. Ab 7. – 10. Schuljahr geht man aufs „Gymnasium“ (vergleichbar etwa mit der deutschen Realschule). Danach kann man freiwillig das Abitur ablegen. Schulbeginn ist überall am 1. September Die Sommerferien dauern 10 Wochen.
Überall gibt es wie selbstverständlich deutschsprachige Reiseführer, Ansichtskarten und Bildbände. Diese angenehme Erfahrung machten wir im Jahre 2005 während der gesamten Reise bis in die Kaschubei und nach Ostpreußen.
Thorn ist für einen ausgedehnten Aufenthalt empfehlenswert.

Wir fahren weiter, nachdem unser Fahrer, Fred, in seiner Miniküche im Bus heiße Würstchen und Kaffee bereitet hatte. Es schmeckt gut und wir sparen eine längere Mittagspause in einem Restaurant.
Es geht weiter nach Norden, parallel zur Weichsel. In Mewe sehen wir im Vorbeifahren die wuchtige Ordensburg.
In Kalthof gegenüber Marienburg Foto-Stopp. Die größte - vom Deutschen Ritterorden gebaute - Burg (sogar der größte Backsteinbau in Europa) liegt malerisch auf der gegenüberliegenden Nogatseite im Abendlicht.

Der kurze Rest der Fahrt führt uns am entfernten Neuteich vorbei nach Elbing. Das Hotel Elzam / Gromada liegt am Rande der wiederaufgebauten Altstadt. Es dient nun für 11 Nächte Unterkunft mit Frühstück. Die (neue) Altstadt besuchen wir fast täglich am Abend. Man ist bald an dem Elbing-Kanal. Mehrere Lokale laden ein.

4.6.2005, Sonntag 1. Neuteich - Tag

Dort erwartet uns ein erstes und einmaliges Erlebnis: eine Andacht in der evangelischen Kirche.

Auf der Fahrt über Tiegenhof durch das Große Werder machen wir kurze Rast in Marienau. Das hübsche Dort Marienau bietet ein gut erhaltenes Vorlaubenhaus mit Storchennest und eine Kirche, die der Heiligen Anna gewidmet ist. Letztere mußte im Kriege – wie viele andere Kirchen – ihre Glocken abliefern. Durch ein Wunder wurden die Glocken, die bereits auf dem Glockenfriedhof in Hamburg – Harburg auf das Einschmelzen warteten, gerettet. Zwei historische Glocken der Kirche St. Anna hängen jetzt in einer Kirche in Düsseldorf. Diesen Sachverhalt schilderte K. D. den Reiseteilnehmern, die mit einmal die Kirche St. Anna in Marienau „mit anderen Augen“ sahen.

Übrigens wird im nächsten Neuteich – Brief ausführlich über die Glocken von St. Anna aus Marienau berichtet werden. Dabei wird auch über Ladekopp ausführlich berichtet werden. Auch aus Ladekopp gibt es Glocken, die gerettet und in Deutschland in einer Kirche hängen. Dabei wurde uns von einer Archivsammlerin aus Ladekopp -Frau Gisela Kratzberg- wertvolles, authentisches Material zur Verfügung gestellt.

Neuteich, der Bus hält auf dem Friedensmarkt vor dem (ehemaligen) Haus der Werdermühle).

Um 11.00 soll die ökumenische Andacht in der evang. Kirche stattfinden.

Wir haben noch etwas Zeit. - Wenn ein deutscher Reisebus auf dem Friedens-markt in Neuteich anhält und die Mitreisenden aussteigen, fällt das in dem Städtchen sofort auf. Und gleich nach der Ankunft spricht uns Pani Grarzyna Kosiodowsey (die Chefin des Restaurants „Nowy Staw“) an, wann wir in ihrem Restaurant Flundern essen möchten. Das Essen hatten wir bereits lange vorher vereinbart.
Wir gehen zu Traute Wdowicz, unserer Schulfreundin von der Hauptschule Neuteich. Sie wohnt in der Mierauer Straße 30 gegenüber der alten Schule. Diese Schule ist übrigens heute ungenutzt und zu kau-fen oder zu mieten.
Die Besucher füllen die Stube von Traute. Aber sie meistert die Situation. Alle werden von ihr bewirtet. Bei Traute trafen wir auf eine Neuteicherin, die für einige Tage dort wohnte.

Um 11.00 Uhr findet in der evangelischen Kirche Neuteich ein sehr beeindruckender Gottesdienst statt. Die Kirche war von den polnischen Bewohnern gesäubert, Bänke aufgestellt, auf einem Altartisch stand eine brennende Kerze, 2 große Fliedersträuße beidseits des Altars brachten Frühling und damit Hoffnung für die Besucher und Besucherinnen, der Eingang zur Sakristei vor dem früher der Kanzelaltar stand, war mit gelben geschwungenen Tüchern ansehnlich verkleidet, darunter die Wappen von Neuteich / Nowy Staw und von Wilster.

Über den denkwürdigen ersten Gottesdienst nach 60 Jahren in der evangelischen Kirche in Neuteich, der von Frau Pastorin Karin Haufler-Musiol (ihr Vater Ernst Haufler ist in Neuteich geboren) gehalten wurde, wird in diesem Neuteich – Brief ausführlich berichtet. Die anwesenden polnischen Gäste hatten wohl noch nie eine Frau als Pastorin erlebt.

Zum Ende des Gottesdienstes, der zeitverschoben in polnischer Sprache vorgetragen wurde- gedachte Klaus Dirschauer einmal unserer Anneliese Loos, geb. Kroll, die an diesem Tage Geburtstag hatte. Außerdem wies er auf die baldige notwendige Sanierung der evangel. Kirche hin, um größeren Schaden zu verhindern. Ein Landsmann  wurde dabei öffentlich genannt, dem diese Kirche sehr am Herzen liegt und für den Zweck einer Sanierung die beachtliche Summe von 10.000 Euro zur Verfügung gestellt hat!

Über Spenden für die Sanierung / Erhalt der evang. Kirche siehe bitte den Aufruf mit beigelegtem Überweisungsträger in diesem Neuteich – Brief.

Vor der Gedenkstätte für die Toten, die bis 1945 hier in Neuteich ihre letzte Ruhe fanden, hatte man auf unsere Veranlassung hin 2 Blumenschalen aufgestellt. Hier war für jeden Besucher und jede Besucherin Gelegenheit zum kurzen Verweilen und zum Gedenken an die Lieben, die in Heimaterde ruhen.

Es war noch etwas Zeit vor dem Mittag, um zum Rathaus der Stadt (dem ehemaligen Magistrat) zu gehen. Der Bürgermeister der Stadt, Pan Jerzy Szałach, gab eine kurze Begrüßung. Es gab Kawa und Kuchen. Und es wurden kleine Anstecker mit den Wappen von Neuteich / Nowy Staw verteilt.

Leider mußten wir bald wieder aufbrechen. Wir wurden ja um 12.00 Uhr im Restaurant zum Mittag erwartet. Es gab 3 Flundern, Vorsuppe, Schoko-Kuchen, Saft und Kaffee (für umgerechnet 7,50 €) pro Person.

Am Nachmittag dieses ersten Neuteich – Tages besichtigten wir auf Einladung den Kindergarten von Neuteich. Auch dort wurden wir bewirtet. Wir übergaben der Leiterin des vorbildlich geführten Kindergartens einen Geldbetrag für diese für die Kinder segensreiche Einrichtung.

Nebenbei erfuhren wir von den beiden Reiseteilnehmerinnen der Familie Thiessen, Neuteichsdorf (Frau Renate Winz und Frau Irmgard Thiessen), dass der Kindergarten auf dem elterlichen Grundstück errichtet worden sei. Das Elternhaus Thiessen grenzt unmittelbar an den Kindergarten.
Über den Besuch beider Schwestern in ihrem Elternhaus siehe bitte gesonderten Reisebericht.

Am Nachmittag trafen wir bei Maria Rutta mit Teresa Jędrzejewska zusammen.
Letztere wohnt jetzt im Haus, das die Eltern von Anneliese Loos, geb Kroll, 1939/40 gebaut hatten. Pani Teresa ist Lehrerin und Historikerin, wir arbeiten gut mit ihr zusammen beim Austausch von alten Urkunden bzw. deren Deutung. Diese Urkunden sind zum Teil handschriftlich in Sütterlin verfasst.
Wir schrieben spontan einen Geburtstagsgruß an Anneliese Loos mit allen Unterschriften.

Am Nachmittag begann es leider zu reg-nen. Aber man konnte vor der Abfahrt an dem ersten Neuteich – Tag noch die beiden neu gestalteten Märkte anschauen. Die störenden Bäume und Büsche auf den beiden Anlagen waren entfernt, neue Blumenrabatten angelegt. Auf jedem Markt befindet sich ein Brunnen der in mehreren Kaskaden Wasser spendet. Im unteren Teil der Brunnen befinden sich Verzierungen in Form von reliefartigen Löwenköpfen.
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Nach dem Gottesdienst vor dem Mittag baten wir den Prälaten der St. Matthäuskirche um eine konkrete Planung nebst Kostenangabe für eine Sanierung der evangel. Kirche in Neuteich. Das wurde uns zugesagt. (Hierzu siehe bitte besondere Information in diesem Neuteich – Brief).

5.6.2005 Sonntag

Großes Programm: Nach dem reichhaltigen Frühstück Fahrt nach Marienburg. Dort ausführliche deutschsprachige Führung. Obwohl ich bereits mehrere Male dort verweilte, gab es immer wieder Neues zu sehen bzw. zu erfahren.
Z. B. hatten wir (erstmalig!) Zutritt durch die „Goldene Pforte“ der Schloßkirche St. Marien (Um 1280) „Der reiche bildhauerische Schmuck aus gebranntem Ton zeigt Verwandtschaft mit mitteldeutscher Kunst“. Und innen sahen wir die relativ gut erhaltene Westansicht der Schloßkirche mit dem Amborn (Mitte) und der Empore.

Renovierungsarbeiten sind in vollem Gange und beeindruckend.

Kurzes Mittagessen in der Burg.

Anschließend Fahrt in die Kaschubei, nach Zuckau zur Folklore-Darbietung. Es war sehr lebendig. Die vielen Darsteller / Innen waren alle in hübschen Trachten. Texte wurden zum Teil in deutsch und in kaschubisch vorgetragen. Die Gäste wurden sogar zum Tanzen mit den Darstellern / Darstellerinnen aufgefordert, das auch wahrgenommen wurde.

 Man konnte auch kaschubische Hand-werkskunst erwerben.

Rückfahrt an diesem ausgefüllten Tag nach Elbing. Einige noch nicht müde Landsleute gingen abends noch durch die neu aufgebaute Altstadt zur Elbinger Weichsel, wo auf verankerten Schiffen Essen und Getränke angeboten werden.

6.6.2005 Montag

 Der Bus führt uns nach Ostpreußen, Braunsberg zur wiederaufgebauten St.-Katharinen Kirche, diese Kirche war 1945 total zerstört aber in den 90er Jahren mit finanzieller Beteiligung von deutschen Spendern wieder aufgebaut. Der vor 250 Jahren nach Neuteich überführte Altar wurde so vor der Vernichtung bewahrt. Der Altar befindet sich heute in der St.-Matthäuskirche in Neuteich.

Fast alle Landsleute nutzten die Gelegenheit, den Turm der Kirche zu besteigen.

In Frauenburg (heute Frombork) am Frischen Haff gab es Gelegenheit, den Dom nebst Turm zu besichtigen. Frauenburg war viele Jahre Sitz des Domherrn und Sternforschers Nikolaus Kopernikus. Vom Turm gab es bei bestem Wetter herrliche Aussicht bis weit über das Haff. Und für besonders Interessierte konnte man im Turm ein sogenanntes Foucault`sches Pendel besichtigen. Damit hat man damals bewiesen, dass die Erde sich um sich selbst dreht. Über Frauenburg könnte man sehr viel schreiben und viele Bilder zeigen. Das würde aber den Rahmen eines Reiseberichtes sprengen.
Es war uns aber auch ein Anliegen, die in der Nähe des Hafens errichtete Gedenkstätte der 450 000 Flüchtlinge, die 1945 über das Frische Haff sich retten wollten, aufzusuchen. Viele Menschen kamen damals dabei ums Leben.
Die Gedenkstätte ist zweisprachig verfasst.
Auf der Rückfahrt nach Elbing machten wir Rast an dem Gestüt Caldinen. Heute wechseln dort öfter die Besitzer. Wir konnten dort auch die 700 Jahre alte („1000 jährige“) Eiche bewundern. Der Baum hat immerhin einen Umfang von 10 m.

7.6.2005 Dienstag

Fahrt über die Rollberge Teil 1, beginnend am Elbing – Fluß in Elbing:

„Der Oberländische Kanal der ein Baudenkmal der hydrographischen Kunst darstellt, ist in technischer Hinsicht die interessanteste Schiffsroute, und zwar nicht nur in Polen. Als einziger in der Welt enthält er nämlich solche funktionierenden technischen Kanalvorrichtungen, wie geneigte Ebenen, Schleusen, Wehre, Sicherheitstore und andere“.

Die Wasserwege verbinden die Elbinger Weichsel mit den Städten Osterode und Deutsch Eylau mit Elbing. Vom Ausgangspunkt in Elbing bis zum Ziel in Buchwalde sind es 9,6 km mit 5 geneigten Ebenen und führen vom Draussensee (0,3 m. ü.d.M.) bei Elbing bis 99,5 m ü.d.M.
 Von Buchwalde geht es in einer Ebene über 36,6 km bis zur Schleuse Liebemühl (99,5 m.ü.d.M.) und von dort in 2 Ebenen abwärts bis nach Osterode (in 95,3 m ü.d.M.)

In Buchwalde erinnert ein restaurierter Gedenkstein an den (deutschen) Erbauer des Kanals:

„Dem Erbauer des Oberländischen Canals und der geneigten Ebenen dem Königlichen Baurath STEENKE zum 50 jährigen Dienstjubiläum d. 15. Juli 1872 zu dauernder Anerkennung Die dankbaren Landwirthe“.

Die Höhenunterschiede überwinden die Schiffe auf Schleppwagen bis zur Höhe des oben weiter verlaufenden Kanals mit durch von Wasserkraft angetriebenen Seilwinden.

In Buchwalde wartete bereits der Bus der Firma Busche, um uns wieder sicher nach Elbing zu bringen. In Elbing konnten wir in einer ausführlich erklärten Stadtbesichtigungsfahrt den weitläufigen Ort näher kennen lernen.

Am Eingang von Elbing konnten wir ein besonderes Bauwerk besichtigen: Eine vollkommen neu errichtete Kirche. Dieser Fachwerkbau  war die evangelische Kirche von Katznase (Kaczynos). Katznase liegt an der Nogat westlich von Marienburg. Weil diese evang. Kirche heute nicht mehr benötigt, hat man sie aufwendig hier bei Elbing wieder aufgebaut. Eine Original gußeiserne Tafel erinnert an das kulturelle Erbe aus deutscher Zeit:

8.6.2005 Mittwoch

Eine schöne Fahrt steht uns bevor: Reise nach Ostpreußen, Allenstein, Hohenstein, Guttstadt, Schmolainen.
Die südliche Hinfahrt führt oberhalb des Draußensees entlang. Von Ferne sehen wir den Ort Liebemühl. Von dort stammen meine Vorfahren mütterlicherseits (Karl Neubert, Baugeschäft, Neuteich) bevor die Familie Mitte des 19. Jahrhunderts nach Neuteich zog.

Allenstein ist sehenswert. Es ist heute die Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland und Masuren und liegt im mittleren Teil der Allensteiner Seenplatte. Den Ort durchfließt die Alle. Es gibt noch einige wertvolle gotische Baudenkmäler sowie über 200 denkmalgeschützte Objekte aus dem 17., 18., 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Bekannte Namen stehen im Zusammenhang mit Allenstein: Nikolaus Kopernikus, Ernst Wiechert (deutscher Schriftsteller) und andere.
An Ernst Wiechert erinnert uns der Spruch auf der Titelseite des Neuteich – Briefes vom Dezember 2004:“ Komm nun wieder stille Zeit....“
Die Altstadt von Allenstein wurde im 2. Weltkrieg im Wesentlichen zerstört aber bis heute rekonstruiert. Auch hier gibt es wie selbstverständlich Kleine Stadtführer, Bildbände und andere Erinnerungen in deutscher Sprache.

Das in der Nähe von Allenstein befindliche Freilichtmuseum Hohenstein war ebenfalls Ziel des Ausfluges nach Ostpreußen. Es gehört zu den ältesten Freilichtmuseen in Europa. Gegründet 1909 zunächst in Kö-nigsberg. Bis 1938 – 42 wurde viele Denkmäler volkstümlicher Baukunst und zwei archäologische Objekte aus dem Gebiet von Ostpreußen aber auch aus dem Weichselgebiet hier in Hohenstein wieder aufgebaut. Damit sind es 56 Objekte darunter eine Kirche, 3 Windmühlen, Schmiede, Ömühle, ein Schulkassenzimmer, Spritzenhaus, Töpferei, mit alter Inneneinrichtung- erhaltene Bauernkaten.

„Hauptaufgabe des Museums ist und bleibt der im weitesten Sinne aufgefasste Schutz der uns überlassenen Kulturgüter. Dieses Erbe soll allen Interessierten, da es eine wahre Quelle unseres Wissens über die Lebensbedingungen, der materiellen, gesellschaftlichen und geistigen unserer Vorfahren ist, zugänglich gemacht werden“. (Zitat aus dem zweisprachigen Museumsführer)

(Anmerkung K.D.: Es sind fast ausschließ lich von den ehemaligen überwiegend deutschen Menschen, die bis 1945 hier wohnten, geschaffene Kulturgüter).

Nach einem Tipp von K. D. machten wir einen Abstecher zur in der Nähe gelegenen Stadt Guttstadt und dem ca. 6. km davon entfernten Schlößchen und Gut „Schmolainen“. Die Stadt Guttstadt heißt heute in Übersetzung „Gute Stadt“ (das ist allerdings zu wörtlich übersetzt). Wir konnten die wuchtige Kirche „Kolegiata Guttstadt“ aus Zeitgründen leider nur von außen besichtigen. Aber es war der Ort mit dessen Poststempel im Jahre1824 ein kirchlicher Brief u. a. an den damaligen Dekan in Neuteich abgesandt wurde. Solche Rundbriefe (Circulae) wurden in Schmolainen (vermutlich von pensionier-ten Geistlichen) handschriftlich verfasst.

Im Neuteich – Brief 12/2004 Seite 163 ff. ist ein Circularschreiben vom 1. October 1824, geschrieben in Schmolainen, wieder gegeben; teils sogar als Faksimile. Das Schreiben war gerichtet an den Herrn Dekan und Probst Janzen, Hochwürden in Neuteich, p. Marienburg zur Bekanntgabe in seinen zuständigen Pfarreien. Es ist derselbe Janzen, dessen Grabstein noch heute in unmittelbarer Nähe der Gedenk-stätte bei St. Matthäus sich befindet. Also wieder eine Verbindung aus dem Ermland / Ostpreußen nach Neuteich.

Die Rückfahrt führt uns durch schmale Baumalleen durch ein Storchenparadies. Es sollen manchmal bis zu 50 Weißstörche auf einer Wiese versammelt sein. Wir sahen viele besetzte Storchennester. Die scheuen Schwarzstörche, die fern der Menschen an Waldrändern brüten, bekamen wir nicht zu Gesicht.

Abends nach Rückkehr zum Hotel in Elbing telefonierte ich erneut mit Maria Gorczyca in Neuteich wegen Planung zur Instandhaltung der evangelischen Kirche in Neuteich. Sie wollte am nächsten Tag zum Magistrat gehen, um alles zu regeln. Dann hatten wir für unseren Besuch kommenden Samstag Flundern bestellt. Und für St. Matthäus unseren Besuch mit Führung, Turmbesteigung abgesprochen. Außerdem möge die Broschüre „Abriß der Geschichte der Stadt und Kolegiata- Kirche in Neuteich“ zum Erwerb bereit liegen.

9.6.2005 Donnerstag

Uns erwartet wieder ein volles Programm:

In Danzig bei schönem Wetter Stadtführung mit einem gut informierten Führer. Auf unsere Frage, wo sich die Innenausstattung aus der evangel. Kirche in Neuteich befände, meinte er: wahrscheinlich in der St.-Bartholomäuskirche in Danzig. Betroffen sind der gesamte Kannzelaltar nebst den 4 Säulen, die Orgel, das Gestühl u. a.

Obwohl die meisten Besucher von Danzig schon einige Male dort weilten, gibt es immer wieder neue Ansichten, vor allem bei dem Bilderbuchwetter dieses Tages.

Im Anschluss gab es Gelegenheit, in Zoppot den Seesteg (ca. 1 km lang) zu begehen. Wir trafen viele Deutsche. Auch eine (deutsche) Polizeigruppe in Uniform trafen wir. Man nimmt heute leider Eintritt für den Seesteg.
Meine Schwester und ich gelangten in die Nähe der Parkstraße 18 (einer Parallelstraße zur Strandpromenade) wo unsere Familie bis zur Flucht per Schiff ca. am 21. März 1945 als Flüchtlinge wohnten. Die russischen Panzer hatten den Landweg – die Hauptstraße Gotenhafen – Danzig – bereits besetzt. Und wir konnten uns nur noch über diesen Seesteg mit einem von vielen kleinen Schiffen, an Deck stehend vorerst bis zur letzten Station in der Heimat: Neufahrwasser- retten.
In Oliva kamen wir gerade rechtzeitig zu einer 25-minütigen Demonstration auf der berühmten Orgel. Die Vorläuferorgel wurde von dem Danziger Orgelbaumeister Joseph Goebel im Jahre 1935 wesentlich erneuert. Und ein Jahr danach – 1936 – wurde von ihm die große Orgel in der evangel. Kirche Neuteich gebaut. Der nicht mehr benötigte Spieltisch aus dem Jahre 1935 befindet sich heute – nach Erneuerung der Orgel zu Oliva – mit einer Erinnerungstafel - in einem rechten Sei-tenaltar der St. Marienkirche in Danzig.!

Ausführlich wurde über „Die neue Orgel von 1935 in der ev. Kirche zu Neuteich im Neuteich – Brief 12 / 2003, Seite 65 ff. berichtet.

Weil das Programm an diesem Tage wieder reichhaltig war, verzichteten wir aus Zeitgründen auf eine Überfahrt per Schiff von Danzig zur Halbinsel Hela. Das fiel uns um so leichter, da ja noch eine ähnliche „Seefahrt“ über das Frische Haff für den nächsten Tag geplant war. Und so fuhren wir mit dem Bus über Gotenhafen auf die Halbinsel Hela.

Der polnische Reiseleiter erzählte uns freimütig, dass die Polen das Fischerdorf Gdingen in kürzester Zeit zu einem großen Hafen ausgebaut hatten. das geschah in der Freistadt - Danzig – Zeit. Zweck wäre es gewesen, dem Danziger Hafen und damit der Wirtschaft des Freistaates zu schaden! (Ob das dem Frieden diente?)

Zurück zur Busfahrt nach Hela. Eine schmale Dünen – Halbinsel, die die freie Ostsee von der Danziger Bucht trennt. An der schmalsten Stelle kann man sogar beide Gewässer gleichzeitig sehen.

Hela gehört noch zur Kaschubei. Am östlichen Ende der Halbinsel hatten wir im Ort Hela - Hafen ca. eine Stunde Aufenthalt. Es reichte zu einem Rundgang über die Mole. Hier konnte man über die Danziger Bucht das gegenüberliegende Festland gut erkennen.

Dann Besichtigung einer Backsteinkirche (heute Museum) und zum Abschluß in der Fußgängerstraße in Strandnähe genossen wir einen erfrischenden Kaffee mit reichlichem, appetitlichen Kuchen.
Die Rückfahrt begann gegen 16.30 Uhr und führte uns wieder durch die eindrucksvolle Landschaft der Halbinsel.
                                                   Ein unvergeßliches Erlebnis!

10.6.2005 Freitag

Schiffahrt über das Haff:

Der Bus führt uns erneut nach Frauenburg, diesmal aber mit dem Ziel, mit dem Schiff über das Frische Haff nach Kahlberg zu fahren.

Uns wurde die schicksalhafte Situation von 1945 gegenwärtig durch das Erinnerungsdenkmal bestehend aus einem gro-ßen Findling mit zweisprachiger Tafel (deutsch und polnisch). Das Denkmal erinnert an das Geschehen von 1945.

450 000 Flüchtlinge aus Ostpreußen, denen der Landweg nach Westen bereits abgeschnitten war, flohen über das zugefrorene Haff. Viele Menschen kamen dabei ums Leben.
Wir verweilten in stillem Gedenken an dieser historischen Stelle....

Das Schiff führte uns in ca. 1 ½ Stunden nach Kahlberg. Diese Schifffahrt über das Frische Haff war für alle Mitreisenden ein einmaliges Erlebnis. Zumal Reisende mit Pkw ja den Rückweg organisieren müßten. Für uns jedoch stand der Bus am Zielort bereit. Mehrere Schulkassen mit unbeschwertem Kinderlachen, dann das ruhige Wasser und die allmähliche Entfer-nung von Frauenburg sowie das Näherkommen der Frischen Nehrung.

In Kahlberg ca. 3 h Aufenthalt, der genutzt wurde zum Mittagessen (natürlich Flundern) mit ausgiebigem Aufenthalt am Ostseestrand. Es war warm und deshalb gab es dort viele Badegäste.

Auf der Rückfahrt machten wir Rast in Steegen. Der Fußweg zum Strand sollte ca. 20 Minuten dauern. Zu lange. Aber entgegen unserer Erwartung konnte der Bus bis zum „Dorfplatz“ direkt am Strand fahren. So blieb auch hier noch Zeit am Strand für Erinnerungen „an damals“.

Abends nochmals vom Hotel aus Anruf in Neuteich, um letzte Vorbereitungen für unseren Besuch kommenden Tages in Neuteich, in Eichwalde und in Palschau zu organisieren bzw. zu bestätigen.

11.6.2005 Samstag

Der zweite Neuteich – Tag. Abfahrt 8.00 in Elbing, geplante Abfahrt ab Friedensmarkt in Neuteich gegen 17.00.

Der Herr Bürgermeister und der Herr Prälat und die Priester waren an diesem Tag zu einem 10-Jährigen Priesterjubiläum nach Allenstein gefahren.

Aber unser Programm lief trotzdem wie geplant ab: Wir konnten die katholische Kirche besichtigen, sogar den Turm besteigen. Dabei war es günstig, dass ich eine Taschenlampe mitgenommen hatte. Der Aufstieg zum Turm ist sehr dunkel. (Ein Tipp für spätere Besucher / Innen mit der Option, den Turm zu besteigen). Die Mühe lohnt sich in jedem Falle. Neuteich von oben. Freier Blick in alle Himmelsrichtungen. Sogar kann man andeutungsweise die Marienburg erkennen.
In der Kirche konnten wir das Büchlein „Abriß der Geschichte von Neuteich und  der Werderstiftskirche“ für 5 Euro erwerben. Das Besondere: Die Broschüre ist in polnisch und in deutsch verfasst. Viele farbige Bilder aus St. Matthäus und von den gotischen Kirchen aus dem Großen Werder ergeben neben einer kurzen Geschichte von Neuteich einen wunderbaren Überblick über das Große Werder und seine sakralen Bauwerke.

Letztendlich sind diese Bauwerke für die aus dieser Landschaft Stammenden auch heute noch Erinnerungen an früher, deren Besuch sich auch heute noch sehr lohnt. Aber auch touristische Besucher finden darin einen wertvollen Kulturführer.

Ich besuchte in Neuteich Herrn Jacek Aigeczek in der Mierauer Straße. Traute Wdowitz half durch übersetzen bei der Verständigung. Herr Aigeczek besitzt ei-nen stattlichen Fundus von alten (deutschen) Urkunden, Bildern usw. aus Neuteich. Wir tauschten Exponate (Kopien) aus. Es wird eine gute Zusammenarbeit werden.

Zum Mittag gab es im „Restaurant“ Neuteich (Restauracja Nowy Staw) Flundern satt nebst reichhaltigen Beilagen, Getränken ...

Meine Schwester Ingried und ich besuchten dann die heutigen Bewohner der beiden Häuser unserer Großeltern – einmal Anna und Karl Neubert, Auf den Gärten 164a (dann Lesker Weg 5) und in der Marienburger Straße 12 (jetzt 7) Auguste und Hermann Dirschauer.

Wir wurden in beiden Häusern herzlich eingeladen und bewirtet. Wir konnten uns alles ansehen. Und als wir ein großes Bild aus der Zeit meiner Großeltern in der Wohnstube entdeckten, nahm man es gleich von der Wand und wollte es uns mitgeben! Wir waren gerührt und überrascht, lehnten aber mit großem Dank  ab. Es war eben die vergangene Zeit von damals.        

Aber auch andere Landsleute hatten die Gelegenheit, mit Dolmetscher/In in das Haus ihrer Kindheit (Bauer Thiessen in Neuteichsdorf) und im Dorf Parschau einzukehren. Renate Winz, geb. Thiessen und ihre Schwester Irmgard Thiessen und Willy Gerdel schildern in diesem Neuteich-Brief ihre Eindrücke von der Fahrt in die Heimat aus persönlicher Sicht.

Zum Kaffee waren wir bei Maria Rutta eingeladen. Sie wohnt in der Heiige-Geist-Straße Sie ist , wie Traute Wdowicz, Mitglied im Heimatbund der Neuteicher. Durch deren Deutschkenntnisse und Telefonverbindungen sind beide Damen eine wertvolle Hilfe bei Kontakten nach Neuteich.

Am Abend fand sich eine kleine Gruppe in Elbing beim „Kieler“ zu einem Abschiedstrunk bei Kakao mit Rum und Schlagsahne.

12. 6. 2005 Sonntag

Heimreise von Elbing über Deutsch Krone nach Stettin. In Stettin verabschiedeten wir uns von der Reiseleiterin Katherina aus Elbing, die uns den gesamten Aufenthalt in Polen begleitet hatte.

In Stettin am Hafen fand ein großes Volksfest statt. Für uns ungewöhnlich: Es wurde kein Eintritt erhoben. Ca. 50 ! Dixi-Toiletten sorgten dafür, dass kein Besucher „in Not“ kam. Auch dort wurde nicht kassiert! Ob wir in Deutschland daraus etwas lernen können? Jedenfalls wird kein Besucher des Volksfestes aus Geldgründen ausgeschlossen. Ein wahres Volksfest.

Wir besuchten u. a. die Kirche Peter und Paul aus dem XV. Jahrhundert. Auch hier gab es eine Tafel mit dem Hinweis, dass die Deckengemälde mit Hilfe aus Deutschland renoviert worden waren.

Wir wohnten im 3-Sterne – Hotel „Neptun“ bis wir am

13.6.2005 Montag

die Heimreise nach Deutschland antraten. Am Nachmittag waren wir bereits in Hamburg ZOB. Einige Mitreisende hatten uns bereits vorher verlassen. Der Bus fuhr dann mit den letzten Gästen nach Hannover zurück.

6. Resümee  

Es war eine einmalige Fahrt in die Heimat zumal auch durch die Erkundung der sehenswerten weiteren Umgebung von Neu-teich, die einen Blick „über den Tellerrand“ ermöglichte.

Die Fahrt mit dem Reiseunternehmen Busche aus Hannover verlief ohne Unfall zu unserer vollen Zufriedenheit.

Unser Neuteich ist – siehe Skizze- auf Seite 1 Mittelpunkt. Für Interessierte werde ich zum Heimattreffen in Wilster September 2006 beide Alben mit 350 großformatigen Bildern mitbringen zum Erinnern für die Teilnehmer dieser Reise für andere vielleicht Lust zu machen, in die Heimat zu fahren.

Man erkennt heute deutlich einen Wandel in den deutsch – polnischen Beziehungen. Die deutsche Kultur und die deutschen Touristen sind gefragt. Viele Kulturdenk-mäler (zerstörte oder zu renovierende Kirchen) werden mit Hilfe deutscher Menschen erhalten bzw. saniert. Es gibt zwei-sprachige Ansichtskarten, Bücher, Stadtführer und Bildbände. Man sieht immer mehr Gedenktafeln an die Menschen die bis 1945 in Neuteich und Umgebung lebten (und starben), nicht nur in Neuteich, auch in Marienburg, Frauenburg, Danzig...

Das läßt hoffen auf allmähliche Normalisierung der Beziehungen zwischen den alten und neuen Bewohnern dieser wunderbaren Kulturlandschaft rund um Neuteich.